Foto Guido Bosbach

Experttalk mit Guido Bosbach

 

Mehr als 38.000 Menschen lesen jeden Monat Guido Bosbachs Blogartikel. Wirksamkeit, Innovation und Nachhaltigkeit sind nur einige der Themen, mit denen sich der Gründer von ZUKUNFTheute beschäftigt.  Er spricht vom Menschen als Kern und Rückgrat jeden Erfolgs, Agilität und organisationaler Energie. Ansichten, die bei klassischen Unternehmensberatungen fehlen.

Guido Bosbach ist eben anders, das merkt man auch bei der Beantwortung unserer Interviewfragen. Das Personalmagazin kürte ihn unter die Top 25 HR Influencer, bei LinkedIn zählt er zu den Top Voices 2017 und 2018.

Wir sprechen mit ihm über die Zukunft, die digitale Transformation und wie wir ihr begegnen können. Herausgekommen ist ein vielschichtiger Einblick und die Erkenntnis, sich nicht vor dem Neuen zu verschließen.

 

Vielen Dank, dass du dich dazu bereit erklärt hast, uns ein paar Fragen über die digitale Transformation zu beantworten. Stell dich doch erstmal vor: Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin ein Mensch, der sich gerne in für mich spannende Themen vertieft, sie durch- und weiterdenkt und den Ursachen für Situationen auf den Grund geht. Mein Name ist Guido Bosbach und ich arbeite seit jetzt 7 Jahren als selbstständiger Unternehmens- und Managementberater an der Beschreibung und Implementierung zukunftsgerichteter Führung sowie dem zugehörigen Management- und Organisationsdesign.

 

Digitale Transformation kann nur mit einer angemessene Führungskultur durchgeführt würden. Wie sieht diese für Dich aus?

Die Digitale Transformation hat viele Facetten. Sie kann sich auf die Interaktion mit Kunden und/oder die interne Kommunikation und die Zusammenarbeit und/oder auf die Neuausrichtung der Geschäftsmodelle und/oder mehr Automatisierung etc. beziehen. So vielfältig wie diese Facetten so vielfältig sind die Grundmuster einer guten Führung. Hinzu kommt, dass jede Struktur mit den darin aktiven Menschen wieder ganz besonderer Anforderungen an die Führung stellt. Führung und damit Führungskultur ist entsprechend im Detail ein organisationsindividuelles Gebilde. Dennoch gibt es einen zentralen Punkt, der quasi als Folge der Digitalisierung, wie auch bei den anderen aktuellen, großen Transformationen immer wieder auftaucht. Wir beschreiben diesen Punkt mit dem Begriff „Agilität“. Dieser drückt aus, dass Unternehmen vermehrt in der Lage sein müssen mit einer zunehmenden Dynamik und Komplexität ihres Arbeits- und Marktumfeldes umzugehen. Dazu wiederum bedarf es unter anderem eines Paradigmenwechsels in der Führungskultur, weg von einer auf Steuerung ausgerichteten Führung, hin zu einer, die auf die Wirksamkeit der Organisation fokussiert. Hier sind dann statt eng gefasster weiter gefasste Regeln und Stabilität wie auch Freiraum gebende Leitplanken wichtig. Dies wiederum erfordert, dass Führungskräfte das Wechselspiel zwischen Vertrauenswürdigkeit und Vertrauensfähigkeit bei sich und ihren Mitarbeitern beherrschen. Nur damit kann erreicht werden, dass die Mitarbeiter vertrauensvoll Verantwortung übernehmen. Dieses Wechselspiel beginnt bei jeder Führungskraft selbst. Es bedingt, sich und die eigene Haltung und das Verhalten bewusst zu reflektieren und auf dieser Basis auch die Kollegen zu mehr (Selbst-)Reflexion anzuregen. Kurz gesagt, beruht die notwendige Führungskultur auf einem bewussten, respektvollen Umgang mit Verantwortung und Vertrauen – und damit auf einem ebensolchen Umgang miteinander.

 

Digitalisierung und New Work sind ein Wandel, der von Mitarbeitern und Führungskräften gleichermaßen unterstützt werden sollte. Gibt es für Dich ‚Verlierer‘ oder ‚Gewinner‘ des digitalen Wandels?

Wir alle werden Gewinner und Verlierer dieser Veränderung sein. Viel hängt davon ab, mit welcher Haltung und mit welcher Offenheit mit den Veränderungen umgehen. Wie die Geschichte gezeigt hat, haben wir Menschen technologische Entwicklungen immer bis zu ihren Grenzen ausprobiert. So tun wir dies auch bereits seit 30 Jahren mit den Möglichkeiten, die digitale Technologien für uns bereithalten. In der Folge haben wir gelernt mit Computern statt mit Rechen- und Schreibmaschinen zu arbeiten. Wir haben Produktionsmaschinen entwickelt, die den vorherigen weit überlegen waren. Wir haben neue Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten für uns entdeckt. Interessanterweise leben wir bislang vor allem die Möglichkeiten aus, die die Arbeitssituation in Bezug auf Ort und Zeit kaum ändern. Die Gewohnheit zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu arbeiten scheint vielen lieb und teuer zu sein. Zumindest ist es uns wichtig, wenn andere es anders machen. Dann sind der Aufschrei und das Misstrauen oft groß. Hier müssen wir lernen damit umzugehen, genauso wie wir insgesamt immer wieder neu lernen, mit den Veränderungen und ihren Möglichkeiten Schritt zu halten. Auf der Verliererseite stehen wird, wer sich der Chance verschließt, das Neue immer wieder auszuprobieren. Wie schon immer lässt uns der Lauf der Welt und die Entwicklungen, die wir selbst immer weiter forcieren keine Wahl, als mitzumachen. Wo es ganz früher allerdings ausreichte sich auf Basis des in der Ausbildung erlernten Wissens durchs Leben zu schlagen, werden wir in Zukunft viel regelmäßiger Dinge lernen und vor allen entlernen müssen.

 

Wo siehst Du die Grenzen der Digitalisierung?

Ich sehe keine Grenzen. Wir werden weiterhin und mit exponentiell wachsender Geschwindigkeit interessante neue Möglichkeiten entdecken. Manche werden uns als Menschheit zum Vorteil gereichen, andere nicht. Die Kunst wird sein, frühzeitig das eine vom anderen zu unterscheiden. Dazu brauchen wir mehr Menschen, die sich wieder den moralischen und philosophischen Fragestellungen widmen. Und wir brauchen mehr Menschen, die diesen Denkern und Reflektoren wieder zuhören können und wollen.

 

Wie kann echte Wertschätzung vor dem Hintergrund der Digitalisierung stattfinden?

Wertschätzung ist immer etwas, das direkt zwischen Menschen stattfindet. Heute haben wir Netzwerke und Kommunikationswege, die dies auch über größere Entfernungen hinweg leicht ermöglichen. Doch Wertschätzung muss immer auch ehrlich sein, damit sie ihren Wert behält. Dies erfährt man weiterhin durch das persönliche Gespräch, aber auch durch mehr Transparenz, also die Teilhabe vieler an der Wertschätzung. Ein guter Ansatz ist entlang der Wertschöpfungskette die Wertbeiträge und damit die grundsätzlich gegebene Wertschätzung sichtbar zu machen. Hier gibt es in vielen Unternehmen wenig Kleinheit und Bewusstsein.

 

In drei Worten: Was sind deiner Meinung nach, die Grundsäulen einer gesunden Unternehmenskultur?

(Selbst-)Vertrauen, Verbundenheit, Bewusstheit

 

Vielen Dank für dieses spannenden Einblick.

 

Das Interview führte Melisa Dobric.

Sollten Sie Anmerkungen oder weitere Fragen haben, schreiben Sie gerne eine E-Mail an info@teambay.com