Video Interview zu Digitalisierung & HR

 

Welche Rolle spielt Human Resources beim Thema Digitalisierung im Unternehmen?

Wie könnt ihr selbst in der HR Veränderungen vorantreiben und welche Rolle nehmen in der Zukunft HR Bots und künstliche Intelligenz ein?

All diese Themen besprechen wir mit Eva Stock, Senior HR Manager bei der Trust Agents Internet GmbH in Berlin und HR Bloggerin.

 

Lena Weiler: Lass uns doch direkt ins Thema Digitalisierung einsteigen. Wie siehst du das denn generell selbst, sollte die HR im Unternehmen eher der Treiber der Digitalisierung sein oder was stellst du dir darunter vor?

Eva Stock: Ich finde, zumindest sollte HR das Mindset ins Unternehmen implementieren um die Digitalisierung voranzutreiben. Denn ich halte es ehrlich gesagt für utopisch, dass HR in der momentanen Ausrichtung diese Rolle wirklich vollumfänglich einnehmen kann. Dafür gibt es ja auch bestimmte Rollen, gerade in Konzernen, die dafür geschaffen werden, wie dem ‘Digital Officer’ etc. Die Kompetenz ist dann eher in diesen Reihen zu finden.

Aber die Umsetzungskompetenzen und das Verständnis dafür was das heißt, das muss HR natürlich können, und wenn es jetzt noch nicht soweit ist, dann sollten wir es zumindest lernen.

 

L.W.: Und wenn du dann überlegst, wie sieht die Arbeit des HR Managers oder der klassischen HR-Person aus – inwiefern werden HR Technologien eine Rolle spielen? Begleiten sie uns eher oder übernehmen sie die meiste Arbeit? Wie stellst du dir das vor?

E.S.: Also erst einmal klingt es ja ganz spannend zu denken, die Technologien übernehmen die ganze Arbeit. Aber ich denke es kommt zu einer Verschiebung der Aufgaben. Und meine Hoffnung ist an der Stelle, dass es sozusagen mehr Raum schafft für die eigentliche HR-Aufgabe, die ich eben mehr in der Rolle des Kulturtreibers und des ‘Ermöglichers’ sehe.

 

L.W.: Also quasi die Themen, die auch eher das Zwischenmenschliche ansprechen?

E.S.: Auch, und ich würde sagen auch Organisationsentwicklung, hier mehr reinzugehen. Ich merke es selbst in meinem Job, wieviel ‘Admin’ einfach noch bei uns hängt. Das heißt, wenn ich einen Prozess umsetze, muss ich immer diesen ganzen administrativen Teil mitdenken. Und da hoffe ich, dass in Zukunft einfach die Digitalisierung Hilfe bietet und mir da eine Unterstützung ist, aber dass ich am Ende schon noch entscheiden darf.

Also beispielsweise ein vorgefertigtes Set an Ausschreibungskanälen ist toll, das gibt es ja auch schon, aber da schaue ich dann trotzdem immer nochmal nach. Passt es denn wirklich, auch zu uns? Möchten wir uns dort präsentieren? Also dass man bei solchen Feinheiten noch etwas die Kontrolle hat, aber dass man da eben hingebracht wird und die Technologie einem sagen kann “Hey, du willst diese Stelle ausschreiben, dann mach es am besten dort und dort, und ich mache das auch für und gebe dir Vorschläge”. Also das was gerade in meinem Team durch menschliche Unterstützung passiert, da würde ich mir teilweise den Roboter wünschen. Das heißt dann nicht, dass mein Team dann arbeitslos ist, sondern dass sie dann ihre anderen tollen Kompetenzen viel besser einsetzen können.

 

L.W.: Damit sind wir dann auch schon genau bei dem Thema ‘künstliche Intelligenz und Bots in der HR’. Denkst du, dass Bots quasi dafür da sind, dir die Arbeit ein bisschen zu erleichtern? Oder wo denkst du, dass Bots und künstliche Intelligenz noch eingesetzt werden könnten und was so auf uns zukommt?

E.S.: Es gibt da auch diverse Meinungen, und ich habe mir darüber auch schon Gedanken gemacht. Ich denke das Thema ‘Vorauswahl’ ist ein heikles Thema, denn auf der einen Seite sind wir dem Arbeitsmarkt bzw. dem Fachkäftemangel ausgesetzt, und hier gehen wir ja schon dazu über, dass wir nicht mehr so viel Wert darauf legen wie das Anschreiben und der Lebenslauf aussehen, sondern dann reicht manchmal auch ein LinkedIn Profil, wo allerdings häufig auch nicht alles angegeben ist. Deshalb ist es etwas schwierig, mit diesem Matching rein über Aussagen die jemand macht zu verfahren. Mich interessiert ja schon auch das Drumherum des Menschen. Wenn ich eine Rolle besetze geht es nicht nur darum, dass Kompetenzmäßig alles gut erfüllt ist, sondern auch um die Potenziale und ob derjenige ins Team passt.

Da kann man zwar auch sagen “Das lässt sich doch alles abbilden, mit einer Übersicht über die Kultur etc.”, aber bis die künstliche Intelligenz soweit ausgeprägt ist, da besser als die verschiedenen involvierten Menschen Rückschlüsse zu ziehen (und hier ist ja nicht nur der HRler sondern auch Manager und Kollegen Teil des Prozesses), braucht es denke ich noch länger um genug ausgereift zu sein.

Wie viel man dann davon gerne abgibt ist eine andere Sache, aber ich denke wo sich alle einig sind ist bei dem Thema administrative Vorarbeit. Hier kann man auch etwas utopisch denken, zum Beispiel “wie wäre es denn, wenn auch das Thema Gehaltsverhandlung etc. schon im Vorfeld geschehen ist?” Oder auch Terminvereinbarungen – wie viel Zeit das fressen kann! Also ganz viele Hürden im täglichen Doing, wo ich denke, klar hätte ich da gerne einen Bot der das alles für mich regelt.

 

L.W.: Also diese Kleinarbeit, die dann aber eigentlich so viel Zeit in Anspruch nimmt und dich von der wirklichen Arbeit abhält.

E.S.: Ja, genau.

 

L.W.: Als abschließendes Statement: Wie muss der HR Job in Zukunft gestaltet werden, um sich mit der Digitalisierung weiter zu entwickeln?

E.S.: Es muss grundsätzlich weg von dieser administrativen Schiene, und ja, da wird es vielleicht immer noch einen Anteil geben bis es soweit ist. Ich bin dafür verantwortlich, egal ob ich jetzt Chef in einem großen oder kleinen Unternehmen bin, dass meine Mitarbeiter die Kompetenzen erlernen, die es im HR Job braucht – nämlich auch Kulturarbeit und Organisationsentwicklung betreiben zu können, auch das ‘Zuhören’ zu lernen, Puzzleteile zusammen zu setzen… Hier muss HR einfach hin, und da kann HR aber auch nur hin, wenn man Leute hat, die darauf Bock haben sich mit dem Gegenüber auch auseinander zu setzen.

Wenn man also das Gefühl hat, dass es in der eigenen Organisation nicht so ist, dann sollte man dringend mit dem HR Bereich sprechen und auch versuchen, sie dorthin zu bringen. Wenn das nicht möglich ist, muss man sich tatsächlich vielleicht andere Leute suchen, ganz klar gesagt.

 

L.W.: Vielen Dank für den Einblick und deine Meinung zu diesen spannenden Themen!