Frank Eilers Künstliche Intelligenz und New Work

Frank Eilers New Work und DigitalisierungIn unserer Interviewreihe beschäftigen wir uns viel mit dem Thema „New Work“. Was bedeutet New Work für den einzelnen Menschen und für Organisationen allgemein? Im Rahmen des digitalen Wandels darf gerade der Einfluss neuer Technologien nicht vergessen werden. Die wichtigsten Fragen hierzu beantwortet unser heutiger Interviewpartner und Experte zu New Work und Digitalisierung, Frank Eilers

 

Frank, danke dass du dir Zeit für uns nimmst. Stell dich doch bitte erst einmal vor: wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Frank Eilers, ich bin gebürtiger Ostfriese und lebe in Berlin. Ich bin ein Vortragsredner oder neumodisch ausgedrückt ein Keynote Speaker. Meine Themen sind die Zukunft der Arbeit, die digitale Transformation und immer mehr auch die Künstliche Intelligenz. Manchmal wird dabei auch gelacht, weil ich eine kleine Stand-up-Vergangenheit habe.

 

Was bedeutet New Work für dich?

Für mich bedeutet New Work mehr als Home Office, bunte Büros und Cola für alle. Wenn man sich den Ursprung von New Work anschaut und den Philosophen Frithjof Bergmann fragt, der als Begründer der Bewegung gilt, dann wird seine Idee leider nicht so wirklich wahrgenommen. Laut Bergmann gibt es drei Säulen einer neuen Arbeitswelt. Dies ist besonders interessant, wenn es weniger Arbeit an sich gibt und der technologische Fortschritt überall einkehrt. Was Bergmann Ende der 1970er Jahre in der amerikanischen Automobilindustrie sah, ähnelt der heutigen Situation. Durch die Digitalisierung gibt es einen gewaltigen Wandel in der Arbeitswelt. Deshalb seine drei Säulen: Erstens geht man zu einem Drittel seiner Arbeitszeit einer Erwerbsarbeit im klassischen Sinne nach. Ein weiteres Drittel investieren wir in das, was uns wirklich, wirklich wichtig ist. Es geht hierbei nicht um Geld oder Macht, sondern um Tätigkeiten, die uns berühren, die uns wirklich wichtig sind. Das kann die Kindererziehung sein, die Pflege von Großeltern aber auch die Gründung eines eigenen Unternehmens, eines Vereins oder die ehrenamtliche Tätigkeit in der Region. Die dritte Säule ist die Selbstversorgung. Das klingt erst mal komisch, ist aber in manchen Teilen der Bevölkerung schon zu sehen: Shareconomy, Second-Hand-Aufschwung in den Großstädten, DIY (Do it yourself), Urban Gardening. Mit lokalen 3D-Druckern und einer umweltfreundlichen, nachhaltigen Gesellschaft werden diese Themen noch mal befeuert. Für mich kann man New Work mit den Begriffen Sinn, Wirksamkeit, Eigenverantwortung und Freiheit „sinnvoll“ ergänzen.

 

Und was genau bedeutet New Work dann für Unternehmen?

Unternehmen sollten die aktuelle Entwicklung der Gesellschaft sehr gut beobachten. In vielen Unternehmen sind Karriere trotz Teilzeit, Home-Office und Remote Work völlig normal. Es wird agiler gearbeitet, weil die Welt da draußen nicht planbar ist. Mitarbeiter können freier entscheiden und bekommen mehr Verantwortung. Weil es in einem Unternehmen A normal ist, wird es für viele Menschen automatisch zu einer Norm. Wenn ein anderes Unternehmen noch so arbeitet, wie vor 15 Jahren, wird es schwer die wirklich guten Mitarbeiter zu gewinnen. Ich höre sehr oft den Satz: „Ich könnte nie wieder für XYZ arbeiten, weil ich jetzt weiß, wie es auch anders geht.“ Man hat quasi die Arbeitsbüchse der Pandora geöffnet und es gibt keinen Weg zurück. Die Unternehmen, die sich heute keine Gedanken über neue Führung, neue Arbeitswelten und die Bedürfnisse der Mitarbeiter machen, werden das in wenigen Jahren bereuen.

 

Welche Rolle spielt dabei der Einsatz von künstlicher Intelligenz?

Künstliche Intelligenz ist ein ganz elementarer Bestandteil der technologischen Entwicklung. Ich persönlich glaube, dass die KI uns in vielen Bereichen das Leben erleichtern wird: Autonomes Fahren, ein intelligenter Einsatz von Ressourcen und die Abschaffung von Bullshit-Arbeit werden die Welt besser machen. Sebastian Thrun hat mal gesagt, dass er repetitive Arbeit als demütigend empfindet. In Zukunft können wir diese Arbeit an die KI abgeben und uns den kreativen Tätigkeiten widmen. Darauf freue ich mich riesig! So wird hoffentlich meine Steuererklärung völlig automatisch abgewickelt und ich muss mich nicht mehr damit herumschlagen. Mehr Zeit fürs Wesentliche. Oder wie Bergmann sagt: Für das, was ich wirklich, wirklich will.

 

Moderne Arbeit produziert nicht zwangsläufig auch erfolgreiche Unternehmen. Kann die KI sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben?

New Work ist ein Prozess, eine Entwicklung, ein Kulturwandel. Ich glaube schon, dass man kurzfristig etwas bewegen kann. Jedoch glaube ich nicht, dass man nur durch New Work ab morgen das erfolgreichste Unternehmen der Welt wird. Jede Organisation ist einzigartig und es gibt keine Schablone. „Mach das und das und dann bist du Marktführer“ ist Schwachsinn. Ich würde mir wünschen, dass die Arbeit, die sich nicht um den Kunden dreht, weniger wird bzw. von der KI Stück für Stück übernommen wird. Viele Organisationen kreisen viel zu sehr um sich selbst bzw. schauen nur nach innen. Was draußen am Markt passiert wird oft nicht mehr richtig wahrgenommen.Deshalb hoffe ich sehr, dass wir die KI nicht dafür einsetzen noch mehr nach innen zu schauen und jeden einzelnen Handgriff der Mitarbeiter überwachen. Man sollte die KI da einsetzen, wo mehr Wert geschaffen wird und neue Geschäftsmodelle greifen können. Deshalb ist das Fundament für den Einsatz von KI auch immer eine Haltungsfrage. Will ich die KI einsetzen, weil ich niemandem vertraue oder will ich die KI nutzen, um mich weiterzuentwickeln und neue Wege zu gehen? Das eine wäre sehr positiv für New Work. Der andere Weg wiederum nicht!

 

Werte wie Selbstständigkeit, Freiheit oder Gemeinschaft sind die Treiber der New Work Bewegung. Wie kann man eine Wertekultur in einem Unternehmen verankern, ohne das sich Mitarbeiter von künstlicher Intelligenz bedrängt fühlen?

Wir müssen ganz viele Fragen stellen und zuhören. Die Ängste der Mitarbeiter sind logisch und nachvollziehbar. Auf den verschiedenen Podien sehe ich leider sehr viele Schwarzmaler, die gewollt oder ungewollt Menschen mit der Angst motivieren wollen. Da werden viele Bedrohungen aufgezeigt und am Ende kommt der Appell: „Wenn wir nicht das und das machen, dann werden wir bald alle arbeitslos sein.“ Ich glaube nicht, dass man damit Menschen nachhaltig motivieren kann, sondern eher das Gegenteil ist der Fall. Man lähmt mehr, als das man bewegt. Und Stillstand ist ja bekanntlich auch gleichzeitig ein Rückschritt. Deshalb wünsche ich mir einen regen Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern auf der einen Seite und einen intensiven Austausch zwischen der Organisation und den Kunden. Empathisches Zuhören ist vielleicht in einer KI-Welt wichtiger denn je. Darüber hinaus müssen wir endlich verstehen, dass man neue Technologien nicht einfach nur kauft und dann sind alle fein damit. Jede Technologie hat Auswirkungen auf die Organisation, auf ihre Strukturen und auf das Miteinander der Belegschaft. Deshalb sollte man ganzheitlich denken und die Mitarbeiter beteiligen. Auch hier gilt: Jede Organisation ist einzigartig und es gibt keine Schablone.

 

In drei Worten: Was sind deiner Meinung nach die Grundsäulen einer gesunden Unternehmenskultur?

Offenheit, Vertrauen, Miteinander.