Michalski Digitale Transformation

Experttalk mit dem Konfliktnavigator

Christoph Maria Michalski DigitalisierungVeränderungsprozesse in Unternehmen bergen immer ein gewisses Konfliktpotenzial. Dies trifft selbstverständlich auch Veränderungen im Bereich der Digitalisierung. Wir freuen uns deshalb sehr, zum Thema Digitalisierung und New Work den Konfliktnavigator Christoph Maria Michalski, Autor der Konflikt-Bibel, als Interviewgast zu haben. Als Ex-Geschäftsführer eines Bildungsträgers mit über 700 Mitarbeitenden hat er von Expansion bis GmbH-Löschung (fast) alles mitgemacht. Wir reden mit Michalski heute über menschliche Herausforderungen im Rahmen der Digitalisierung, über Gewinner und Verlierer, und über die Veränderungen in der Führungskultur.

 

Stellen Sie sich doch zunächst einmal vor: Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin der Konfliktnavigator und unterstütze Unternehmen dabei, auf eine neue Stufe des Konfliktmanagements zu kommen. Das betrifft einerseits die Ebene der reibungsfreien Prozesse und auf der anderen Seite die zwischenmenschliche Kommunikation. KPMG hat in einer Studie herausgefunden, dass 20 % der Personalkosten Konfliktkosten sind – also keine Peanuts sondern auch ein wesentlicher Faktor, um die Anforderungen der Zukunft zu bewältigen.

 

Digitale Transformation kann nur mit einer angemessene Führungskultur durchgeführt würden. Wie sieht diese für Sie aus?

Führungskultur hängt immer mit den Werten des Unternehmens und der Kompatibilität von Persönlichkeiten damit zusammen. Digitale Transformation erfordert eine innere Haltung, weniger eine neue IT Ausstattung und hippe Apps. Aufgeschlossenheit, Toleranz, Würdigung anderer Ausprägung von Motiven und die Bereitschaft, sich miteinander auf den Weg zu machen – das sind die Schlüsselqualifikation in der Zukunft. Und daraus ergeben sich automatisch veränderte Führungsleitlinien.

 

Digitalisierung und New Work sind ein Wandel, der von Mitarbeitern und Führungskräften gleichermaßen unterstützt werden sollte. Gibt es für Sie ‚Verlierer‘ oder ‚Gewinner‘ des digitalen Wandels?

Das klingt nach den Kategorien „entweder-oder“. Die Anpassungsfähigkeit ist für mich der entscheidende Faktor. 1996 machte ich eine Fortbildung zur Medientechnikpädagogen, bei der die ersten Systeme für Videokonferenzen aufkamen (Stichwort Kanalbündelung). Alle waren sich einig, dass face-to-face Konferenzen und Reisetätigkeit überflüssig sein würde. Heute schwärmen alle wieder von workspace und neuen Kollaborationsformen mit direktem menschlichem Austausch. Keiner kann daran zweifeln, dass bestimmte Berufsgruppen und Arbeitsschritte sich verändern oder sogar wegfallen werden. Neues wird entstehen eine der größten Herausforderung wird es sein, wie die Gesellschaft mit diesem Wandel umgeht.

 

Wo sehen Sie die Grenzen der Digitalisierung?

Wenn man die so genannte VUKA-Welt am Horizont sieht, sind alle Aussagen über die zukünftige Entwicklung sehr mutig. Ich würde keinem Hellseher trauen, der nach dem Klingeln durch die Türsprechanlage fragt „Wer ist da?“. Destruktion bedeutet, dass Altbekanntes zerbricht und die Größe und Form der einzelnen Scherben nicht vorhersehbar sind.

 

Wie kann echte Wertschätzung vor dem Hintergrund der Digitalisierung stattfinden?

Bei dieser Frage geht es hauptsächlich darum, die vielfältigen Arten des Umgangs mit Wandel in die Veränderung einzubeziehen. Menschen haben die drei Grundbedürfnisse Sicherheit, Zugehörigkeit und Entwicklung. Aus der Gemengelage dieser Grundbedürfnisse ergibt sich das Verhalten, mit dem wir auf Veränderungen reagieren. Angst, Unsicherheit, Skepsis – abwartend bis hin zu mutig voran und jieieheiheh stürmend. All diesen Menschen einen Raum, real oder virtuell, anzubieten indem sie ihren Teil zur Digitalisierung beitragen können, ist der entscheidende Schritt. Den Wert und Beitrag des Einzelnen schätzen.

 

In drei Worten: Was sind Ihrer Meinung nach die Grundsäulen einer gesunden Unternehmenskultur?

Zuhören – Unterschiedlichkeit – Konsens

 

Vielen Dank für das spannende Gespräch!